Montag, 18. September 2017

Liebe kleine Ente

Liebe kleine Ente,

es tut mir leid, wenn ich es so deutlich sagen muss: Du bist eigentlich kein Tier, mit dem ich mich gerne anfreunden würde. Immer willst Du alles bestimmen. Wenn es nicht nach Deiner Vorstellung geht, macht es Dir keinen Spaß. Auf die Interessen Deiner Freunde kannst Du Dich gar nicht einlassen. Zum Glück sind die alle - Frosch, Schwan, Fisch, Biber und sogar die namenlose Schnecke - fröhlich und geduldig mit Dir, und so habt Ihr beim Wettschwimmen am Schluss doch noch Spaß. Aber an Deiner Stelle würde ich mich nicht darauf verlassen, dass das immer so bleibt. Ein bißchen Bescheidenheit täte Dir in Zukunft jedenfalls ganz gut.

Bis dahin zeige ich meinem Sohn eben nur die Bilder - auf den Text kann man getrost verzichten, denn Du kommst dabei gar nicht gut weg, und die Reime, nunja, die reimen sich nicht. Das Baby kann ja noch nicht lesen und merkt daher nicht, dass ich eine andere Geschichte erzähle.
Die anderen Tiere sind übrigens alle ganz süß and natürlich gezeichnet, nur Du siehst aus wie eine Gummiente. Vielleicht erklärt das ja, warum Du nicht auf Deine Freunde eingehst? Bist Du etwa gar nicht echt?
Am tollsten ist eigentlich das "unkaputtbar" Material, auf dem Deine Geschichte gedruckt ist - selbst angekaut und angelutscht, zerblättert und zerlesen sieht das Buch noch gut aus. Das finden Baby und ich beide gut. Nächstes Mal kommt vielleicht noch eine lohnenswerte Geschichte dazu.

Bis dahin viel Spaß im Wasser,
Deine Bleistifterin



Denitza Gruber: Spielst du mit, kleine Ente? Baby Pixi 39, Carlsen, 2016

Mittwoch, 9. August 2017

Notizen zur Digitalen Kommunikation



Seit einigen Jahren interessiere ich mich immer mehr dafür, wie die Digitalisierung unsere Umgebung und unser Kommunikationsverhalten verändert. Als Rhetorikerin finde ich es faszinierend, wenn jemand von „elegantem Code“ spricht – eine für mich unerwartete Analogie zur „normalen“ Sprache, in der es ebenfalls einen großen Unterschied gibt zwischen „schreiben können“ (Buchstaben zu Wörtern formen) und „schreiben können“ (Wörter zu Sätzen formen) und dem professionellen Schreiben der „Dichter“ (Schriftsteller, Autoren aller Art, auch Journalisten), die das zielgerichtete Schreiben in unterschiedlichen Stilen, Stimmen und Gattungen beherrschen Mit dieser bewußten, überlegten Zielgerichtetheit beschäftigt sich die Allgemeine Rhetorik, und deshalb habe ich das Fach studiert.
Ich glaube, dass die allgemein genutzte Gegenüberstellung von digitaler und analoger Kommunikation zu kurz greift. Natürlich kann man analoge Texte digitalisieren, online stellen und sie maschinenlesbar machen. Aber das macht keinen Roman, kein Gedicht zum digitalen Text. So wie sich das aufgeführte Drama vom still und allein gelesenen Roman oder der Zeitungsbericht vom Rechtsgutachten unterscheidet, so gesellt sich das digitale als eigenständige Gattung mit wesenstypischen Merkmalen gleichberechtigt neben das mündliche und das schriftliche Kommunizieren. Denn es enthält durch die Möglichkeit der Einbeziehung von Bild, Ton und Film beim Lesen auch performative Elemente.
Vor allem aber bietet der Einsatz von Hyperlinks Optionen, die Assoziationen des Lesers zu steuern, die weit über die Möglichkeiten des normalen „Framing“ hinausgehen: konnte sich der Orator bisher gerade bei heterogenem Publikum selten darauf verlassen, dass dieses den gewünschten Kontext assoziiert, erhält er mittels des Hyperlinks eine größere Deutungshoheit über die gewünschten mitzudenkenden Hintergründe, Informationen oder Bilder. Die zielgerichtete Botschaft kann daher über digitale Kanäle im Idealfall mit viel geringerem Streuverlust vermittelt werden, als es bspw. ein mündlicher oder papiergedruckter Vortrag könnte.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Fettlogik überwinden. Teil 8: Dranbleiben. Rückschau auf das bisher Erreichte.

Es sind 38 Wochen vergangen, seit ich meine Ernährung tracke. Zeit für ein weiteres Fazit.
Die Änderungen an den Einstellungen von fddb haben sich bewährt. Ich gehe zur Zeit von etwa 2100 kcal Tagesbedarf aus und esse im Durchschnitt 1500 kcal. Das ist okay, aber es wird trotzdem immer mühsamer. Dennoch - auch wenn es langsamer geht als ich möchte und der Urlaub mich um etwa 4 Wochen zurückgeworfen hat: die Richtung stimmt nach wie vor.
Ein Jahr nach der Geburt meines Kindes wiege ich
  • fast 25 kg weniger als zu Beginn der Schwangerschaft
  • mehr als 30 kg weniger als vor der Geburt
  • fast 18 kg weniger als 1 Woche nach der Geburt
  • mehr als 12 kg weniger seit ich vor 9 Monaten mit dem Kalorientracken angefangen habe.
Es könnte sicher schneller gehen, wenn ich
  • endlich mit dem Sport anfangen würde (UHU oder Kitabeginn September - ab dann gibt es keine Ausreden mehr)
  • ich weniger Tage aussetzen "müsste" (zum Glück fahren wir im Urlaub nicht weg - das verdirbt mir immer die Routinen)
Und obwohl ich mit einem BMI von 36,8 immer noch in der Klasse Adipositas II bin, ist mein Leben bereits in vieler Hinsicht "leichter" geworden:
  • zu enge Kleidung passt wieder 
Jersey, T-Shirts, Strick und Stretchjeans "passen" ja doch immer länger als es gut aussieht. Nun ist vieles entweder wieder passend oder sogar bereits zu weit. Man könnte jetzt jubeln, aber mir macht shoppen wenig Spaß, und die Aussicht für die geplante weitere Abnahme noch mindestens ein weiteres Jahr nur "provisorische" Kleidung zu haben und keine langfristige Garderobe aus lauter Lieblingsteilen ist gar nicht mal so toll. Aber dann! Aber dann!
  • ich kann wieder in unserem Liegestuhl sitzen
den zweiten Liegestuhl habe ich letztes Jahr geschrottet...
  • ich passe wieder in die Badewanne
und das sogar mit Wasser (höhö) - und ohne das es "plopp" macht, wenn ich aussteigen will
  • ich kann wieder (etwas) Zeit auf dem Fußboden verbringen, also knieen, liegen, sitzen und vor allem: aufstehen
das ist das schönste, auch für Junior
  • ich bin insgesamt beweglicher
  • ich traue mich wieder auf mein Fahrrad ohne Angst, dass der Sattel abbricht
  • ich erkenne mich wieder im Spiegel

Es tut gut zu sehen, was man bereits erreicht hat.
Aber da geht noch mehr.
Das nächste Zwischenfazit dann nach einem Jahr tracking - spätestens.

Meine Auseinandersetzung mit dem Buch erfolgt gründlich und ausführlich und kann hier nachgelesen werden. Was bisher geschah:

Vorspiel: Mein dickes Ich.
Teil 1: Um das Buch herumlesen.
Teil 2: Das Buch anschauen, aber noch nicht lesen, weil man ja eh weiß, was drin steht.
Teil 3: Das Buch lesen.
Teil 4: Fettlogik überwinden. 
Teil 4: Vom Lesen zum Handeln. 
Teil 5: Zwischenbilanz nach 7 Wochen.
Teil 6: Zwischenbilanz nach 20 Wochen.
Teil 7: Neuausrichtung nach 23 Wochen.
 

Freitag, 10. März 2017

Fettlogik überwinden. Teil 7: Neuausrichtung nach 23 Wochen.

Ok. Vielleicht bin ich nicht die schnellste. Was hindert mich immer so lange daran, an einem Zustand festzuhalten, der nicht so ist, wie er sein sollte? Vieles, was unzufrieden macht, kann man schließlich leicht ändern. Viele Änderungen liegen tatsächlich in meiner Macht.
Wenn ich also nun seit fast einem halben Jahr gewissenhaft Kalorien zähle, mich dabei auch nicht selbst betrüge (auch wenn ich mir ab und zu eine Auszeit gegönnt habe) - aber der mathematisch vorhersagbare Erfolg ausbleibt... Dann kann man
a) aufgeben
Hätte ich früher gemacht. "Bringt ja alles eh nix, weil [insert fettlogik of your choice]!"
b) ganz genauso weitermachen, denn aufgeben ist keine Option. Nadja Hermann hat es schließlich genau erklärt, und bei allen anderen klappt es auch. Wahrscheinlich sind es die Tabletten. Oder Wasser.
Die Tabletten nehme ich nicht mehr. Über einen gesamten wassereinlagernden Zyklus hinweg keine großen Veränderungen. Das kann es also auch nicht sein.
c) den Fehler finden. Wenn das von fddb errechnete "Soll" korrekt wäre, hätte ich etwa das Doppelte abnehmen müssen als bisher. Ergo stimmt das "Soll" nicht.
Auf fddb überprüfe ich meine Profilangaben. Bin ich wirklich mit dem richtigen Geschlecht, Größe, Bewegungsprofil eingetragen? Stimmt alles, allerdings ist ein Haken gesetzt bei "1x wöchentlich Sport". Das stimmt zwar, aber ich nehme den Haken vorsichtshalber weg. Wer weiß, ob die unter Sport das Gleiche verstehen wie ich? 
Aber auch das erklärt nicht, warum ich nur um die Hälfte vom erwarteten Umfang abgenommen habe. Ich ändere daher mein "Soll" händisch auf den Wert, den die "David-Winkler-Tabelle" ausrechnet. Diese Tabelle wird  auf der fddb Seite verlinkt, weil sie etwas genauer zu sein scheint und einen Mittelwert aus den häufigsten Formeln zur Berechnung des Grundumsatzes zugrunde legt.

Und siehe da: Der Unterschied betrug für die Monate Oktober bis Dezember zwischen 381 und 400 kcal am Tag! Bei einem Defizit von durchschnittlich 487 kcal/Tag ist es ein Wunder, dass ich überhaupt abgenommen habe - und überhaupt kein Wunder, dass es so schleppend geht.
Seit Jahresbeginn hat sich der Unterschied zwischen dem fddb-Soll und dem D-W-Soll mit zunehmender Abnahme um weitere 100kcal verringert, macht aber immer noch 279 kcal aus.

Die nächsten drei Monate probiere ich also mit diesem Wert. Soll mir keiner nachsagen, ich würde zu schnell aufgeben. Außerdem möchte ich - angeregt durch diesen Gastbeitrag auf dem FLÜ-Blog -  meine Mikronährstoffe genauer in Augenschein nehmen (lassen). Allerdings muss ich dazu erst einmal einen kooperativen Hausarzt finden. Meine bisherige Ärztin ist zwar durchaus d'accord, dass ich übergewichtig sei, hat aber keine Vorschläge, wie sie mich unterstützen könnte... (ich habe gefragt.)
 
Meine Auseinandersetzung mit dem Buch erfolgt gründlich und ausführlich und kann hier nachgelesen werden. Was bisher geschah:


Vorspiel: Mein dickes Ich.
Teil 1: Um das Buch herumlesen.
Teil 2: Das Buch anschauen, aber noch nicht lesen, weil man ja eh weiß, was drin steht.
Teil 3: Das Buch lesen.
Teil 4: Fettlogik überwinden. 
Teil 4: Vom Lesen zum Handeln. 
Teil 5: Zwischenbilanz nach 7 Wochen.
Teil 6: Zwischenbilanz nach 20 Wochen.
 


Dienstag, 21. Februar 2017

Fettlogik überwinden. Teil 6: Zwischenbilanz nach 20 Wochen.

Seit nunmehr 20 vollen Wochen zähle ich Kalorien.
Das nervt ganz schön, und geht auch nur, weil ich zur Zeit (fast immer) den ganzen Tag zu Hause bin.
Ich esse regelmäßig - weil das Kind regelmäßig essen muss - und nicht auswärts. Dadurch kann ich alles abwiegen, das meiste selbst kochen und insgesamt eine gute Kontrolle darüber behalten, was ich mir in den Mund stecke.
Selbst über die "schwierige" Weihnachtszeit bin ich so gekommen - auch wenn die Plätzchen abgezählt waren und größtenteils aus gekauften Spekulatius bestanden.
Dennoch gab es Tage, an denen ich nicht aufschreiben konnte - meist außerhäusige Einladungen, bei denen man weder nach dem genauen Rezept noch der aufgetischten Menge fragen konnte. Und obwohl ich an diesen Tagen wahrscheinlich kein Kaloriendefizit hatte, habe ich auch nicht maßlos über die Stränge geschlagen. Allerdings waren es aufgrund von Hochzeiten, Taufen, runden Geburtstagen und Weihnachtseinladungen insgesamt seit Oktober etwa 25 Tage, also fast vier volle Wochen, an denen ich keine Daten erhoben habe.
Die ersten 12 Wochen habe ich dennoch täglich durchschnittlich 20% vom Kaloriensoll, dass fddb für mich vorschlägt, eingespart. Der niedrigste Wert lag bei 17%, der höchste bei 25%. Nur ein einziges Mal bin ich um etwa 300 kcal über mein Budget gekommen. Insgesamt bin ich damit sehr zufrieden- das Eßverhalten ist kontrolliert und vernünftig, und ich esse auch - wenn ich darauf achte - genug Eiweiß. Doch trotz fast 45000 eingesparter Kalorien hatte ich bis Ende des Jahres nicht die errechneten 6kg, sondern weniger als 3kg weniger auf der Waage.
Das war ganz schön frustrierend, aber ich habe mich damit getröstet, dass ich seit ebendieser Zeit Cortisonhaltige Tabletten nehmen musste, und diese wahrscheinlich stark Wasser einlagern. Also nicht aufgeben, weiter im Text.
Dennoch hat das Plateau dazu geführt, dass ich -ohne mich richtig dazu zu entscheiden- mein Defizit weiter erhöht habe. Seit drei Wochen muss ich die Tabletten nicht mehr nehmen und inzwischen liegt mein durchschnittliches Kaloriendefizit bei 35%. Da auch die Saison für Familienfeiern offenbar erst einmal vorbei ist, klappt das ganz gut, auch wenn 65% mir schwerer fallen als 80%. Aber es ist immer noch ab und zu ein Stück Schokolade drin. Alles gut.
Mit Absetzen der Tabletten gab es tatsächlich einen Sprung - 2,4kg weniger! Ist der Bann jetzt gebrochen?
Leider nein. Drei Wochen bei 65%, und die verzeichnete Abnahme (nach einer erneuten Spitze nach oben) ist 0,5kg. Das heißt, ich habe seit Oktober fast 80.000 kcal eingespart, und statt der rechnerisch möglichen 11kg nur etwa die Hälfte davon abgenommen.
Ok, da sind 25 undokumentierte Tage, in denen ich theoretisch über Bedarf gegessen habe - aber ganz sicher nicht im Umfang von 6kg... Ich mache zwar babybedingt gerade nicht sehr regelmäßig Sport, aber -ebenfalls babybedingt- sitze ich auch nicht den ganzen Tag untätig herum. Mindestens 60 Minuten Spaziergang täglich plus Bücken/Heben/Tragen eines 10kg-Bündels - klar da geht mehr. Aber ich trage mir keinerlei Aktivitätspunkte ein, müsste also in der fddb-Kategorie "überwiegend sitzend" alles in allem richtig verortet sein, wenn man annimmt, dass das dort errechnete "Soll" nicht nur den Grundumsatz umfasst.

Die Tendenz ist ja auch nach wie vor richtig. Nur eben viel langsamer als gedacht. Grummel.
Bleibt wohl nur eins: mehr Bewegung. Mehr Sport.

Meine Auseinandersetzung mit dem Buch erfolgt gründlich und ausführlich und kann hier nachgelesen werden. Was bisher geschah:

Vorspiel: Mein dickes Ich.
Teil 1: Um das Buch herumlesen.
Teil 2: Das Buch anschauen, aber noch nicht lesen, weil man ja eh weiß, was drin steht.
Teil 3: Das Buch lesen.
Teil 4: Fettlogik überwinden. 
Teil 4: Vom Lesen zum Handeln. 
Fettlogik überwinden. Teil 5: Zwischenbilanz nach 7 Wochen.
 


Montag, 21. November 2016

Fettlogik überwinden. Teil 5: Zwischenbilanz nach 7 Wochen.

Sieben Wochen ist es her, seit ich mit dem regelmäßigen Kalorienzählen angefangen habe. Da ich immer noch nicht das Gefühl habe, mich einzuschränken, nenne ich es eigentlich nicht Diät. Ich esse ja alles - und schreibe es auf.
Es gab allerdings mehrere Ausnahmen, und zwar immer an den Wochenenden: 1 Taufe, 1 Hochzeit, 1 Geburtstag wurden auswärtig gefeiert, sodass ich von meiner Waage abgeschnitten war und wirklich nur hätte schätzen können. An einem 4. Termin luden wir zum Gänseessen, sodass ich immerhin über Zutaten und Zusammensetzung Kontrolle hatte, aber ebenfalls nicht abwiegen konnte/wollte.
An allen anderen Tagen habe ich brav aufgeschrieben und es eigentlich immer geschafft, wie angestrebt maximal 80% des von fddb errechneten GRUNDumsatzes einzuhalten. Etwa 3 Mal habe ich "überzogen" - etwa 83%, nicht mehr. Dabei geht die App von einer "leichten", überwiegend sitzenden Tätigkeit aus. Wenn ich das Baby 1 Std durch den Park schiebe, oder in der Trage habe, oder Hausarbeit mache, einkaufe oder eben auch der wöchentliche Sport, so ist das nach meinem Verständnis dabei nicht eingerechnet und könnte daher noch zusätzlich als "Bonus" eingespart werden. Genaue Zahlen weiß ich aber nicht und rechne daher auch nicht damit. Ich gehe aber davon aus, dass dieser "Bonus" die drei undokumentierten Sonntage aufwiegt (also mindestens +-0), denn dort habe ich ja auch nicht gevöllt - nur nicht aufgeschrieben.

Beim FLÜ-Fanclub habe ich mich immer gewundert, was gemeint war, wenn über die "wiedererlangte Kontrolle" gejubelt wurde. Das verstehe ich jetzt etwas besser: Tatsächlich bin ich an manchen Tagen überrascht, was ich alles essen konnte, ohne in den roten Bereich abzurutschen. So habe ich neulich einmal Mittags (selbstgemachte) Kässpätzle gegessen und nachmittags zwei Stück gedeckten Apfelkuchen neben "normalem" Frühstücksmüsli und Abendbrot - und hatte dennoch noch ein Defizit. Hätte ich nicht gedacht. Hier bietet das Abwiegen tatsächlich enorme Kontrolle und gibt Sicherheit. Andersherum verliert mein Lieblingssnack - selbstgeröstete und aromatisierte Mandeln - enorm an Attraktivität, wenn man vorgerechnet bekommt, wieviel Kalorien die haben... ich dachte ja immer, Naturprodukte sind besser als industrialisierte Lebensmittel, aber im Zweifel ist der gekaufte Schokoriegel kalorienärmer...

Wie ist es mir mit den selbst gestellten Regeln gegangen?
1. Eiweiß - klappt, wenn ich drauf achte. Wenn nicht, kann es immer noch viel zu wenig sein (=20-40g finde ich zu wenig. Angestrebt sind 100-120g.)
2. Wasser - klappt immer noch nicht gut. (Zum Beispiel habe ich seit 40 Minuten Durst, schreibe aber diesen Post, statt etwas zu trinken. Dabei ginge theoretisch beides...)
3. nur die 6 Mahlzeiten in der App - klappt ganz gut.
4. 80% vom Grundumsatz klappt.
5. Wiegen - hmpf. Ist Kopfsache, ich weiß, aber meine Waage zeigt je nach Fliese, auf der sie steht, bis zu 1200g unterschiedliche Gewichte an. Das ist wenig befriedigend, zumal vor dem Hintergrund, dass ich Medikamente nehme, die Wassereinlagerungen begünstigen... Laut Ernährungstagebuch habe ich in 7 Wochen also etwa 28.000 kcal eingespart, das entspricht etwa 4kg Abnahme - die Waage, zeigt aber nur etwa 1,8 kg an - manchmal weniger. Das ist doof.

Wie es weiter geht:
1. Da ich dennoch das Gefühl habe, dass meine Hosen weiter werden, werde ich mich aber weiter an die "Aussage" der Kalorienbilanz halten. Und wohl eine neue Waage kaufen.
2. Außerdem bietet die App die Möglichkeit, einen Nährstoffplaner zu programmieren, der dabei hilft, genug Makro- oder auch Mikronährstoffe aufzunehmen. Ich fange mit den Makronährstoffen an - Kohlehydrate, Proteine und Fette - und orientiere mich an den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Quelle: http://www.ernaehrung.de/tipps/allgemeine_infos/ernaehr13.php
Allerdings verschiebe ich 5% von Fett nach Eiweiß (55% KH/ 25% F/ 20% E). Einerseits will ich ja mein Eiweiß erhöhen, und so komme ich auf 123g (statt 92,4 g), andererseits will ich im Rahmen der hier unter Punkt 5 eigentlich empfohlenen 60-80g Fett bleiben (beim jetzigen Gewicht sind 25%  = 67,9 g statt 30% = 81,5g)... 
Auf diese Weise hoffe ich, meine Ernährung noch optimieren zu können. Einsparen sollte ich vor allem Kohlehydrate, auf das Fett sollte ich achten, aber zw. 60 und 80g ist ok, den Proteinwert möchte ich aber möglichst erreichen. 

Wie man sieht, kann ich hier noch einiges verbessern... (Heute gab es keinen Quark. Dafür war "Zucker" ziemlich gut.)


3. Außerdem steht die Weihnachtszeit vor der Tür. Das ist ja eine besondere Herausforderung. Ich habe mir daher vorgenommen, dieses Jahr nicht selbst zu backen, denn hier besteht große Gefahr, in die Naschfalle zu tappen - schon roher Teig muss ja stets fortlaufend auf Qualität kontrolliert werden... Außerdem habe ich ein 6 Monate altes Baby, und wirklich besseres vor. Dafür werde ich gezielt Stollen, Lebkuchen und Spekulatius kaufen, denn hier steht auf der Packung genau, was drin ist - und die Produkte sind in der fddb-Datenbank und daher leicht zu notieren. So sollte ich gut durch die Adventszeit kommen.
Bis Jahresende werde ich auf jeden Fall so weitermachen.

Meine Auseinandersetzung mit dem Buch erfolgt gründlich und ausführlich und kann hier nachgelesen werden. Was bisher geschah:
Vorspiel: Mein dickes Ich.
Teil 1: Um das Buch herumlesen.
Teil 2: Das Buch anschauen, aber noch nicht lesen, weil man ja eh weiß, was drin steht.
Teil 3: Das Buch lesen.
Teil 4: Fettlogik überwinden. 
Teil 4: Vom Lesen zum Handeln.

Dienstag, 11. Oktober 2016

Fettlogik überwinden. Teil 4: Vom Lesen zum Handeln.

Während ich im Buch herumlas, habe ich mir, rein interessehalber, ein fddb-Konto angelegt und eine Woche lang ein Ernährungstagebuch geführt. Gar nicht so sehr, um sofort eine Diät anzufangen, sondern um einfach einmal zu sehen, was ich eigentlich tagtäglich so an Kalorien aufnehme und mit den Hinweisen zu vergleichen, die ich im Buch gefunden habe.
Und siehe da - selbst wenn ich im Feld für "Aktivitäten"  nichts eintrage (also keine "Bonuskalorien") zur Verfügung habe - bleibe ich locker etwa 300-500 kcal unter meinem von fddb vorgeschlagenen Soll. Tatsächlich habe ich seit der Geburt meines Sohnes weiter abgenommen - nicht rasend schnell, aber doch etwa 5 kg in 4 Monaten, eine deutliche Tendenz.
Natürlich verändert die Beobachtung auch den Beobachter - will sagen, wenn man jede Weintraube, die man sich nebenbei in den Mund steckt, aufschreiben müsste, überlegt man es sich eben zweimal, ob man sie isst, schlichtweg, weil es sonst wahnsinnig mühsam wäre. Ich habe also in der "Testwoche" im August, in der ich meine Ernährung getrackt habe, nicht unbedingt anders ernährt oder gekocht als sonst. Ich habe aber weniger genascht- und komme daher zu dem Schluss, dass ich mit einer Abnahme sogar schon viel weiter sein könnte, wenn ich genauer darauf achten würde, was und wieviel ich esse.
Interessant fand ich vor allem die grafische Darstellung der Makro-Nährstoffverteilung (Kohlehydrate, Fett, Eiweiß) in der App. Hier wurde sofort deutlich, dass ich mich zwar fettarm und abwechslungsreich ernähre, aber insgesamt viel zu wenig Eiweiß aufnehme.

Die App ist IMHO übersichtlicher als die Desktop-Version

Richtwert ist angeblich ein Minimum von 0,8 g pro kg Körpergewicht. Das ist ein Wert, denn ich locker erreichen würde - wenn ich ein gesundes Normalgewicht hätte. Habe ich aber nicht.
Wer abnehmen möchte, oder viel Kraftsport macht, sollte sogar 2-3g pro kg Körpergewicht an Proteinen aufnehmen. Das entspräche in meinem Fall etwa 250g Protein. Als Käsevermeiderin und wenig-Fleisch-Esserin ist das für mich fast nicht zu schaffen.
Meine erste Reaktion war also, mir ein Eiweißpulver und jede Menge Skyr zu besorgen. Das Pulver trinke ich nicht als Shake (könnte man natürlich auch machen) sondern rühre es mir ins Müsli oder den Quark, den ich nun versuche, täglich zu essen. Wenn ich so darauf achte, komme ich schon auf über 100g Eiweiß/Tag, rund ein Drittel meiner Kalorienaufnahme. Da geht noch mehr.
[Edit: Viele freundliche Kommentare v. a. auf Twitter haben mich darauf hingewiesen, dass der Eiweißanteil der Ernährung sich auf das NORMALgewicht bezieht - hier hatte ich offenbar etwas falsch verstanden, danke für die Aufklärung! Dennoch brauche ich den Quark, bzw. die Achtsamkeit und die App, um auf die ca. 2% zu kommen, die während einer Abnahme empfohlen werden. Sonst bleibe ich auch mal unter 60g. Ich strebe zur Zeit zwischen 100 und 120g/Tag an.]
Allerdings ging mir die Abwiegerei auch schon nach einer Woche ziemlich auf den Nerv. Da ich viel frisch koche und abwechslungsreich improvisiere, ist das Tagebuchführen nämlich umständlicher, als wenn man einfach nur ein Fertiggericht aus der Datenbank anklickt und in sein Tagebuch schiebt.

Weitere sechs Wochen später, und ich musste (aus medizinischen Gründen) etwas vorzeitig abstillen. Damit fällt die letzte "Ausrede" weg, sich nicht ernsthaft um eine Gewichtsreduktion zu bemühen. Tatsächlich habe ich bereits -seit dem Höchststand kurz vor der Niederkunft- fast 18 kg weniger. Ein guter Start also, um das Ganze nun gezielt anzugehen.

Die Kurve zeigt die Gewichtsentwicklung in der Schwangerschaft laut Mutterpass. Die Spitzen am Schluss waren m.E. hauptsächlich Wasser
Das fddb-Ernährungstagebuch führe ich nun wieder seit einer Woche. Mittelfristig wird mich das nerven, aber noch ist das Gefühl für Inhaltsstoffe (Eiweiß!) und Portionen einfach nicht gut genug, um allein intuitiv zu essen. Damit bin ich in den letzten vier Monaten zwar voran gekommen, aber ehrlich gesagt geht es mir noch zu langsam.  Trotzdem muss sich die ganze Sache in den Alltag mit Säugling integrieren lassen. Es ist kein Wettkampf - so lange die Richtung "bergab" ist, ist alles gut.

Folgende Faustregeln habe ich mir aufgestellt:
1. Eiweiß. Eiweiß, Eiweiß, Eiweiß. (ich hatte zwischen 80 und 250 g täglich, komme meist über 100g) Das kann noch besser werden. Vielleicht doch Shakes?
2. vor JEDER Mahlzeit ein Glas Wasser. (Kann nicht schaden. Ich trinke ohnehin zu wenig.)
3. Das Tagebuch sieht 6 Mahlzeiten vor - Frühstück, Mittag, Abendessen, sowie 3 Snacks. Das läuft mir gut rein, ich brauche regelmäßig Essen. Ziel: NUR zu diesen Zeiten tatsächlich essen. (Also vor allem Snacks bewusst gestalten als Snacktime und dann eben auch damit fertig sein.)
4. Maximal 80% des Solls essen, weniger ist erlaubt, mehr möglichst nicht. Das entspricht einem täglichen Defizit von etwa 500 kcal, wobei Aktivitäten noch nicht eingerechnet sind - die sind dann Bonus. (Ist mir bisher gelungen. Ich habe etwas über 5000 kcal eingespart.)
5. Wiegen ist optional. Wenn ich Kalorien einspare, nehme ich auch ab. Das muss ich nicht andauernd auf der Waage bestätigt sehen - oder mich ggf. durch Wassereinlagerung irritieren lassen. (Ich nehme Medikamente, die Wasser begünstigen.)

Bisher (wohlgemerkt: nach einer Woche) hatte ich nicht das Gefühl, auf etwas zu verzichten. Nur bewusster zu essen.
Bis Ende des Jahres sind es genau 12 Wochen, ab nächster Woche versuche ich zudem wieder, einmal pro Woche Sport zu machen. (Hoffentlich klappt das mit dem Babysitten.)
Wommadommasehn.

Meine Auseinandersetzung mit dem Buch erfolgt gründlich und ausführlich und kann hier nachgelesen werden. Was bisher geschah:
Vorspiel: Mein dickes Ich.
Teil 1: Um das Buch herumlesen.
Teil 2: Das Buch anschauen, aber noch nicht lesen, weil man ja eh weiß, was drin steht.
Teil 3: Das Buch lesen.